Blog · Yoga & Entspannung · November 2025

Savasana –
Die Kunst, wirklich loszulassen

✍️ Pascal Mühlebach  📖 Lesezeit ca. 5 Minuten  📅 November 2025

Am Ende jeder Yogastunde liegt eine Haltung, die uns oft unterschätzt begegnet: Savasana. Auf dem Rücken liegen, nichts tun, einfach da sein – es wirkt simpel. Und doch ist es eine der anspruchsvollsten Übungen im Yoga.

Warum? Weil sie uns einlädt, etwas zu tun, das im Alltag selten Raum bekommt: wirklich loszulassen.


1. Körperliche Entspannung – der stille Reset

In Savasana darf der Körper zur Ruhe kommen. Muskeln lösen sich, das Nervensystem schaltet um, Atmung und Herzfrequenz beruhigen sich.

Damit das gelingt, braucht es eine bequeme Position, Unterstützung durch Decken oder Polster wenn nötig – und die Erlaubnis, nichts halten zu müssen.

Savasana ist kein «Ausruhen». Es ist ein bewusster Zustand. Der Körper lernt, Spannung loszulassen – nicht durch Kraft, sondern durch Sicherheit.

Dieses Prinzip – Loslassen durch Sicherheit statt durch Druck – ist auch der Kern der Arbeit im Yin Yoga Kurs (Do. 19:50). Lange, passive Haltungen, ruhige Atmung, kein Leistungsanspruch.


2. Geistige Entspannung – Gedanken dürfen kommen und gehen

Viele Menschen glauben, Savasana bedeute, «an nichts zu denken». Das ist weder realistisch noch notwendig.

Geistige Entspannung bedeutet etwas anderes: Gedanken wahrnehmen, sie nicht festhalten, sie weiterziehen lassen. Es ist ein Moment, in dem wir üben, nicht zu reagieren. Nicht zu analysieren. Nicht zu kontrollieren.

Mit der Zeit entsteht ein Gefühl von Klarheit – nicht, weil der Geist leer ist, sondern weil wir uns nicht mehr in jedem Gedanken verlieren. Das ist auch das Herzstück der Meditation – und Savasana ist ihre körperliche Schwester.

🎯 Weiterlesen: Präsenz & Achtsamkeit – ankommen im Moment


3. Innere Ruhe – ein Raum, der selten wird

Savasana schafft einen Raum, der im Alltag kaum existiert: einen Moment, in dem wir nichts leisten müssen.

Kein Ziel. Keine Aufgabe. Keine Rolle. Nur Atmung, Körper, Präsenz.

Viele Menschen erleben hier eine Form von innerer Ruhe, die sich nicht erzwingen lässt – sie entsteht, wenn Körper und Geist gleichzeitig loslassen dürfen. Die Voraussetzung dafür ist ein ruhiges, tiefes Atemmuster. Wer die Grundlagen dafür verstehen möchte, findet im Artikel über Bauchatmung einen guten Einstieg.


Warum Savasana so herausfordernd ist

Nicht, weil es körperlich schwierig wäre. Sondern weil es uns mit uns selbst konfrontiert: mit Restspannung, mit Gedanken, mit Emotionen, mit Müdigkeit – und mit dem Bedürfnis, «etwas tun» zu wollen.

Savasana zeigt uns, wie schwer es uns fällt, einfach zu sein. Und genau darin liegt seine Kraft.

Das ist übrigens auch der Grund, warum viele Menschen nach einem Retreat so tief erholt zurückkehren: Nicht wegen der Intensität der Praxis, sondern wegen der Erlaubnis, über mehrere Tage wirklich loszulassen.


Wie du Savasana für dich nutzen kannst

Je regelmässiger du übst, desto leichter fällt das Loslassen – auf der Matte und im Alltag. In jedem meiner Kurse in Kloten schliesst jede Stunde mit Savasana ab. Nicht als Pflicht, sondern als Einladung.

🔙 Weiterlesen: Hüfte & Rücken loslassen – wenn der Körper festhält


Fazit – Savasana ist kein Ausklang, sondern eine Praxis

Savasana ist nicht das «Ende» der Yogastunde. Es ist der Moment, in dem alles, was du geübt hast, wirken darf. Eine Einladung zur Ruhe, zur Klarheit, zur Präsenz – zu dir selbst.

Vielleicht ist es gerade deshalb so wertvoll: weil es uns nichts abverlangt ausser dem Mut, loszulassen.

Wer verstehen möchte, warum dieser Mut so heilsam ist – und wie Yoga auf mehreren Ebenen gleichzeitig wirkt – dem empfehle ich den Artikel über Raum im Körper.


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Loslassen lernen – auf der Matte

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Pascal Mühlebach
Pascal Mühlebach Yogalehrer in Kloten, seit 2018. Dipl. SYV/EYU, Qualitop-anerkannt. Unterrichtet wöchentlich im Hegnerhof Kloten – in fünf Stilen, für alle Levels. Mehr über Pascal hier.