Yoga-Blog

Atemwahrnehmung – der Atem als dein bester Lehrer

Warum Atemwahrnehmung wichtiger ist als perfekte Asanas

In einer Welt, die sich oft um äussere Form, Fortschritt und Leistung dreht, wird auch die Yogapraxis manchmal von einem subtilen Druck begleitet: Bin ich beweglich genug? Sieht meine Haltung „richtig“ aus? Atme ich überhaupt richtig?
Doch was wäre, wenn die eigentliche Essenz deiner Praxis nicht in der Form, sondern im Gefühl liegt?
Und was, wenn deine Atemwahrnehmung dabei dein wichtigster Lehrer ist?

Atem vor Asana – zurück zur Essenz des Yoga

Yoga bedeutet Einheit. Die Verbindung von Körper, Geist und Atem – nicht die Ausführung eines perfekten Handstandes oder einer tiefen Rückbeuge. In den ältesten yogischen Schriften, den Yoga Sutras von Patanjali, tauchen körperliche Haltungen (Asana) nur am Rande auf. Viel mehr Raum bekommt der Atem – insbesondere Pranayama, die bewusste Atemlenkung.

„Wenn der Atem unruhig ist, ist auch der Geist unruhig. Wenn der Atem ruhig ist, ist auch der Geist ruhig.“ – Hatha Yoga Pradipika

Hier beginnt die Magie: Der Atem ist die Brücke zwischen deinem Körper und deinem Geist. Er ist immer da. Er reagiert auf jede deiner Gedanken, auf jede Emotion – und du kannst lernen, ihn bewusst zu steuern, um zu regulieren, zu beruhigen, zu öffnen.

Was bedeutet Atemwahrnehmung eigentlich?

Atemwahrnehmung heisst nicht nur, tief zu atmen. Es bedeutet, bewusst zu spüren, wie der Atem fliesst:

  • Wo beginnt und endet deine Einatmung?
  • Wohin bewegt sich dein Atem im Körper?
  • Was passiert, wenn du ihn einfach nur beobachtest?

Diese bewusste Verbindung zum Atem verändert deine Praxis – selbst, wenn du nur in der Berghaltung stehst oder im Schneidersitz sitzt. Sie bringt dich aus dem Kopf in den Körper, aus dem Aussen ins Innen.

Warum Atemwahrnehmung wichtiger ist als perfekte Asanas

1. Der Atem zeigt dir, wo du wirklich bist

Ob du angespannt bist, dich überforderst oder abschaltest – dein Atem verrät es dir. Wenn du ihn ignorierst, übst du vielleicht über deine Grenzen hinaus oder trainierst im Modus „funktionieren statt spüren“.

2. Der Atem bringt Präsenz in die Praxis

Eine perfekt ausgeführte Asana ohne Atembewusstsein bleibt eine äussere Form. Sobald du deinen Atem mit einbeziehst, wird sie lebendig, bewusst und ehrlich.

Zum Beitrag über Präsenz.

3. Der Atem wirkt direkt auf dein Nervensystem

Sanfte, tiefe Atmung aktiviert den Parasympathikus – jenen Teil deines Nervensystems, der für Regeneration und Ruhe zuständig ist (vgl. Harvard Health).
So kann Yoga mit bewusstem Atem dein Stresslevel senken, deinen Schlaf verbessern und sogar deine Verdauung unterstützen.

4. Der Atem führt dich über die Matte hinaus

Asanas bleiben auf der Matte. Der bewusste Atem begleitet dich überall: In der Warteschlange, in einem schwierigen Gespräch, nachts im Bett. Er ist ein Werkzeug, das du jederzeit nutzen kannst – ganz ohne Hilfsmittel.

So stärkst du deine Atemwahrnehmung – 3 einfache Impulse

  1. Beginne jede Praxis mit Atembeobachtung.
    Setze dich für 3 Minuten hin, schliesse die Augen und folge deinem Atem. Ohne zu verändern. Einfach beobachten.
  2. Lasse den Atem die Bewegung führen.
    Bewege dich nicht erst und atme dann, sondern beginne jede Bewegung mit der Ein- oder Ausatmung. Zum Beispiel: Einatmung – Arme heben. Ausatmung – nach vorne beugen.
  3. Bau bewusst Pausen ein.
    Halte zwischendurch inne. Spüre den Atem in einer Haltung. Beobachte, wie er sich verändert – und was das mit dir macht.

Fazit: Dein Atem ist dein innerer Lehrer

Wenn du deinem Atem wirklich zuhörst, wirst du bemerken, dass er dir alles zeigt: Wann du ruhig bist. Wann du kämpfst. Wann du loslassen darfst.

Der Atem ist ehrlich.
Er ist immer bei dir.
Und er führt dich tiefer, als jede Haltung es je könnte.

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Was sind Deine Gedanken und Erfahrungen zu diesem Thema? Lass doch gerne einen Kommentar da, der könnte für uns alle sehr spannend sein!

Pascal

Heute bin ich Mitglied im Schweizer Yogaverband, Qualitop zertifiziert und von 22 Krankenkassen anerkannt. Ich habe bereits drei Yogalehrerausbildungen absolviert sowie viele verschiedene Yoga-Weiterbildungen genossen. Yoga lässt mich meinen Traum leben, obwohl ich dies nie geplant hatte. Der Weg dorthin führte mich, wie so oft, über zahlreiche Umwege und Hürden: Vor meiner Tätigkeit als Yogalehrer verbrachte ich insgesamt acht Jahre in einer Bäckerei. Anfangs als Bäcker-Konditor, später im Büro und im Verkauf, wo ich auch verschiedene Caterings leitete. 1 1/2 Jahre meiner Zeit verbrachte ich in der Schweizer Armee und erreichte dort den Rang eines Offiziers. Weitere drei Jahre übernahm ich als Hauptverantwortlicher die Betreuung von Menschen mit unterschiedlichen Beeinträchtigungen bei Tages- und Wochenendausflügen, Ferienwochen und anderen Veranstaltungen. Nebenbei engagierte ich mich ehrenamtlich, etwa im Vorstand des Tierschutzvereins W&U oder bei der Betreuung randständiger Personen in der Wochenendstube Winterthur. Durch all diese Tätigkeiten entstanden starke Verbindungen zu den Menschen um mich herum. Dies war und ist für mich bis heute der eigentliche Lohn. Als ehemaliger Bäcker und langjähriger Nachtarbeiter habe ich diese Erfahrung schmerzlich vermisst. Meine erste Yogastunde nahm ich 2016 wahr, als ich jemanden begleitete. Diese war jedoch keineswegs ein „Erfolg“ – alles tat weh und keine Haltung wollte wirklich gelingen. Mit jeder weiteren Stunde fühlte ich mich geschmeidiger und ausgeglichener. Im Jahr 2018 absolvierte ich dann meine erste Yogalehrer-Ausbildung, eigentlich nur für mich selbst. Heute habe ich mich als selbstständiger, praktizierender Yogalehrer vollständig dem Yoga verschrieben. Ich nutze Yoga in allen Bereichen meines Lebens und habe darin auch meinen Ruhepol gefunden.

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